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Geschichte · 28. Juli 2026 · Nicca Schneider, Interior & Geschichte

Aktualisiert am 28. Juli 2026

Woher die Möbel kommen: das Interior der Villa Beaulieu

Ein Rettungsschlitten über der Bar, Spitaltische als Bartische, Engadiner Möbel aus einem Arzt-Fundus: woher die Einrichtung der Villa Beaulieu stammt.

Salon der Villa Beaulieu mit Arvenholz und antiken Möbeln

Die Einrichtung der Villa Beaulieu stammt fast vollständig aus zweiter Hand, und das ist kein Sparprogramm, sondern die Entscheidung. Arvenholz aus dem Haus selbst, Engadiner Möbel aus dem Fundus eines Nachbarn, Stücke aus anderen St. Moritzer Häusern, dazu Gerät aus achtzig Jahren Klinikbetrieb. Über der Bar hängt ein alter Rettungsschlitten. Aufbereitet hat alles unser eigenes Team.

Was schon im Haus war

Das Meiste mussten wir nicht suchen. Als die Klinik Gut 2023 auszog, blieb ein Haus zurück, das zwei Jahre lang niemand angefasst hatte.

Das Arvenholz war noch da, an Decken und Wänden, besonders im obersten Stock. Arve ist die Zirbelkiefer, das Holz der obersten Waldgrenze, und sie riecht auch nach Jahrzehnten noch. Wer die Tür von La Contessa öffnet, merkt es sofort.

Ebenso die Türen, die Beschläge und die Raumaufteilung. Wo Sprechzimmer lagen, liegen heute Zimmer, und die Wände blieben, wo sie standen. Mehr zur Hausgeschichte steht in Von der Pension zur Klinik zur Villa.

Die Fundstücke aus der Klinik

Interessanter als das Täfer sind die Dinge, die achtzig Jahre Klinikbetrieb hinterlassen. Wir haben sie nicht in Vitrinen gestellt, sondern zurück in Gebrauch genommen.

  • Über der Bar hängt ein alter Rettungsschlitten. Er hat Leute vom Berg geholt, jetzt hängt er über den Gläsern.
  • Weitere Schlitten stehen in den Gängen, dort wo andere Häuser Bilder aufhängen.
  • Einige Spitaltische dienen heute als Bartische. Die Höhe stimmt, die Oberfläche hält alles aus.

Manche Gäste erkennen die Stücke, weil sie hier behandelt wurden. Das ist der Moment, für den sich der ganze Aufwand lohnt.

Ein Haus, das achtzig Jahre lang Klinik war, hinterlässt Dinge, für die es keine Kategorie gibt. Genau die haben wir behalten und weiterbenutzt.

— Nicca Schneider, Interior & Geschichte

Engadiner Möbel aus einem Arzt-Fundus

Ein Teil der Möbel kommt aus dem persönlichen Fundus unseres Nachbarn Peter Berry: alte Engadiner Stücke, wie sie in den Stuben des Tals über Generationen standen.

Die Herkunft passt besser, als wir es geplant hätten. Peter Berry ist der vierte Arzt dieses Namens aus St. Moritz, seine Familie hat das Tal über vier Generationen medizinisch versorgt. Er führt das Berry Museum, das dem malerischen Werk von Peter Berry II. gewidmet ist.

Möbel aus einer St. Moritzer Arztfamilie stehen nun in einem Haus, das achtzig Jahre lang die Klinik des Dorfes war. Das haben wir nicht arrangiert, es hat sich so ergeben.

Praktisch gesehen ist es ausserdem der Grund, warum das Haus nicht wie ein Hotelinterieur aussieht. Engadiner Möbel sind schwer, dunkel und für kleine Räume gebaut. In einem Haus von 1868 funktionieren sie anders als jede Neuanschaffung.

Stücke aus anderen St. Moritzer Häusern

Dazu kamen Möbel aus weiteren Häusern im Dorf. Wenn ein grosses Haus renoviert, verschwindet viel, das noch gut ist.

Wir haben genommen, was passte, und den Rest weitergegeben. Ein Sessel aus einem Grandhotel steht bei uns anders da als dort: nicht als Teil einer Suite, sondern als einzelnes Stück in einem Zimmer, das ihm nicht ähnlich sieht.

Türen, die keine Türen mehr sind

Der augenfälligste Teil der Einrichtung sind die umgenutzten Stücke.

  • Il Conte hat als Kopfteil eine geschnitzte Tür, die vorher eine Tür war.
  • La Stalla trägt ein historisches Scheunentor über dem Bett.
  • L'Imperatur und La Principessa haben Kopfteile aus Maserholz, das eine geschwungen, das andere flach.
  • La Contessa war das Wohnzimmer von Grossmutter Gut und ist bis heute ganz in Arve gefasst.

Alle dreizehn Zimmer und Suiten sind einzeln eingerichtet. Kein Stück existiert zweimal, was den Betrieb umständlicher und den Aufenthalt besser macht.

Aufbereitet im eigenen Haus

Restauriert wurde fast alles von unserem Team, nicht von einer Werkstatt in Zürich. Abbeizen, schleifen, ölen, neu beziehen: Das dauert länger und man sieht es den Stücken an.

Genau das ist der Punkt. Ein Möbel, das drei Leben hinter sich hat, soll nicht aussehen, als käme es aus dem Katalog. Kratzer bleiben, wenn sie zur Geschichte gehören.

Was neu ist

Der Ehrlichkeit halber: Nicht alles ist alt. Neu sind die Bäder, durchgehend neu gebaut, und die Betten. Bei Matratzen hört die Romantik auf.

Ebenso neu ist die Technik, die man nicht sieht. Alles andere hat eine Vorgeschichte, und meistens erzählt sie jemand aus dem Team, wenn Sie danach fragen.

Wo Sie es anschauen können

Le Bar und Le Jardin stehen allen offen, auch ohne Übernachtung. Wer die Zimmer sehen möchte, schreibt uns kurz, wir zeigen sie gerne.

Die ganze Zeitachse des Hauses steht unter Die Geschichte, das Haus selbst unter Das Haus.

Häufige Fragen

Woher stammen die Möbel in der Villa Beaulieu?
Aus drei Quellen: aus dem Bestand des Hauses selbst, aus dem persönlichen Fundus unseres Nachbarn Peter Berry, und aus anderen Häusern in St. Moritz, deren Möbel sonst entsorgt worden wären. Aufbereitet wurde alles von unserem eigenen Team.
Ist die Einrichtung der Villa Beaulieu original oder nachgebaut?
Weitgehend original. Wir haben ausgewählt und aufbereitet statt nachgebaut. Neu sind vor allem die Bäder und die Betten.
Was ist Arvenholz und warum ist es im Engadin so verbreitet?
Arve ist die Zirbelkiefer, das Holz der obersten Waldgrenze. Es riecht auch nach Jahrzehnten noch, ist weich genug zum Schnitzen und war im Engadin über Jahrhunderte das Holz für Stuben und Täfer.
Sind in der Villa noch Gegenstände aus der Klinik Gut erhalten?
Ja, und sie sind in Gebrauch statt ausgestellt. Über der Bar hängt ein alter Rettungsschlitten, weitere Schlitten stehen in den Gängen, und einige Spitaltische dienen heute als Bartische.
Kann man die Räume der Villa Beaulieu anschauen, ohne zu übernachten?
Le Bar und Le Jardin stehen allen offen. Für die Zimmer schreiben Sie uns kurz, wir zeigen sie gerne.