Guide · 26. Juli 2026 · Marco Balz, Outdoor & Adventures
Aktualisiert am 27. Juli 2026
Wann St. Moritz nicht die richtige Wahl ist
St. Moritz passt nicht zu jeder Reise. Sechs Fälle, in denen ein anderes Tal besser ist, und was Sie dafür bekommen, wenn Sie trotzdem hierher kommen.

St. Moritz ist nicht für jede Reise das richtige Ziel, und es kostet weniger Nerven, das vorher zu wissen. Ich lebe hier oben und schicke regelmässig Leute weiter ins Nachbartal, weil sie dort glücklicher werden. Hier sind die Fälle, in denen ich abraten würde, und danach die, in denen ich es nicht täte.
1. Wenn Sie in der Zwischensaison kommen
Das ist der häufigste Fehler und der ärgerlichste. Zwischen Mitte April und Mitte Juni sowie zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember macht das Tal Pause.
Bergbahnen stehen still, viele Restaurants haben geschlossen, und auf den höheren Wegen liegt entweder noch oder schon Schnee. Wer in dieser Zeit anreist, findet ein sehr schönes, sehr leeres Dorf und wenig zu tun.
Besser: Juli bis September oder Januar bis März. Alles dazwischen braucht einen Grund.
2. Wenn Sie günstig verreisen möchten
St. Moritz ist teuer, und daran ändert kein Geheimtipp etwas. In der Hochsaison zahlen Sie hier für Übernachtung und Essen deutlich mehr als in vergleichbaren Alpentälern.
Die Spannweite ist allerdings grösser als der Ruf. Wanderwege, die Seerunde und die Badeplätze kosten nichts, und ausserhalb der Hochsaison sinken die Preise spürbar.
Besser: Wenn das Budget eng ist, sind das Val Müstair, das Puschlav oder das Bergell nebenan deutlich günstiger und landschaftlich nicht schwächer.
3. Wenn Sie sehr kleine Kinder dabeihaben
Rund 1'800 Meter, kühle Abende auch im Juli und Wege, die schnell steil werden: Das ist für Kleinkinder machbar, aber nichts, was sich nebenbei ergibt.
Dazu kommt, dass viele Häuser hier auf Paare und Erwachsene ausgerichtet sind, unseres eingeschlossen. Wer Kinderclub, Hallenbad und ein Restaurant um sechs braucht, sollte gezielt danach suchen.
Besser: Ein grosses Haus mit Familieninfrastruktur, oder ein Ziel auf tieferer Höhe.
4. Wenn Sie garantiertes Wetter erwarten
Im Gebirge gibt es kein garantiertes Wetter. Ende Juli kann es innerhalb einer Stunde von Sonne auf Graupel drehen, und im Winter kann Nebel die Aussicht für drei Tage kassieren.
Wenn Ihre Reise nur mit Sonne funktioniert, planen Sie das Risiko mit ein. Wer eine Woche bleibt, bekommt fast immer seine Tage. Wer für ein Wochenende kommt, kann Pech haben.
Besser: Länger bleiben, oder ein Programm wählen, das bei jedem Wetter trägt.
5. Wenn Sie ein Auto mitbringen wollen
Das klingt nach einem Detail, ist aber praktisch relevant. Parkplätze sind knapp und teuer, das Dorf ist eng, und im Winter sind die Pässe unberechenbar.
Das Beste an diesem Tal ist, dass man es ohne Auto erleben kann. Wer mit dem Wagen kommt, stellt ihn am ersten Tag ab und holt ihn am letzten wieder.
— Marco Balz, Outdoor & Adventures
Besser: Mit der Rhätischen Bahn über die Albulalinie anreisen. Im Tal fahren Busse, und zu Fuss kommen Sie im Dorf überall hin.
6. Wenn Sie Trubel und Nachtleben suchen
St. Moritz hat einen Ruf, der aus wenigen Wochen im Jahr stammt. Ausserhalb dieser Wochen ist es ein ruhiges Bergdorf, in dem um elf Uhr abends nicht mehr viel los ist.
Wenn Sie durchgehendes Nachtleben suchen, ist das die falsche Adresse. Wenn Sie Abende suchen, die lange dauern, weil jemand am Klavier sitzt, sind Sie richtig.
Wann St. Moritz genau richtig ist
- Für zwei bis fünf Sommertage mit langen, hellen Abenden und Wegen ab der Haustür.
- Für Leute, die gerne zu Fuss gehen. Die Seerunde ist flach und in gut einer Stunde geschafft, die Höhenwege beginnen an jeder Bergstation.
- Für Paare und kleine Gruppen, die abends lieber sitzen bleiben als weiterziehen.
- Für Anlässe. Ein Tal, in dem die Kulisse den halben Abend trägt.
- Im September, wenn es klarer, leerer und günstiger ist als im Hochsommer.
Was in unserem Haus stattfindet, steht im Programm, unsere Vorschläge fürs Tal unter Erlebnisse. Wie ein Wochenende hier konkret aussehen kann, steht im Sommer-Guide.
Und wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Reise hierher passt: Schreiben Sie uns. Wir sagen es Ihnen ehrlich, auch wenn die Antwort Nein lautet.
Häufige Fragen
- Ist St. Moritz zu teuer für einen normalen Urlaub?
- St. Moritz ist teuer, aber die Spannweite ist grösser als der Ruf. Teuer sind Hochsaison, Hotels der obersten Kategorie und Restaurants im Zentrum. Wanderwege, Seerunde und Badeplätze kosten nichts.
- Wann sollte man nicht nach St. Moritz reisen?
- In der Zwischensaison. Von Mitte April bis Mitte Juni und von Ende Oktober bis Anfang Dezember haben viele Betriebe geschlossen und die Bergbahnen stehen still.
- Ist St. Moritz gut für Familien mit kleinen Kindern?
- Für Familien mit sehr kleinen Kindern gibt es einfachere Ziele. Die Höhe von rund 1'800 Metern, kühle Abende und weite Wege verlangen etwas Planung.
- Macht die Höhe von St. Moritz Probleme?
- Rund 1'800 Meter sind für die meisten unproblematisch, aber die erste Nacht kann unruhig sein. Wer Herz- oder Kreislaufprobleme hat, klärt das vorher ärztlich ab.
- Braucht man in St. Moritz ein Auto?
- Nein, im Gegenteil. Die Rhätische Bahn fährt bis ins Dorf, im Tal fahren Busse, und Parkplätze sind knapp und teuer.
- Was ist die beste Zeit für St. Moritz im Sommer?
- Juli und August, wenn die Bergbahnen fahren und die Tage lang sind. September ist ruhiger und oft klarer, aber die Abende werden früh kühl.



